Somalische Piraten in Paris verurteilt

Beim ersten Piratenprozess in Frankreich wurden fünf Piraten aus Somalia zu Haftstrafen zwischen vier und acht Jahren verurteilt. Einer wurde freigesprochen.

Die Männer waren vor drei Jahren bei der Befreiung der französischen Yacht Carré d’As festgenommen worden. Ein weiterer Somali wurde dabei getötet. Freigesprochen wurde ein Mann, der glaubhaft machen konnte, er sei Fischer und nur zufällig an Bord der französischen Yacht gewesen.

  • Spiegel-Bericht zum Prozessausgang: hier
  • Bericht über den Prozess auf PiracyNews (deutsch): hier.

Tanker brennt nach Piraten Überfall

Brennt. Der Supertanker Brilliante Virtuoso brennt vor der Küste des Jemen. US-Marines (im Zodiac) retten die 26 philippinischen Besatzungsmitglieder aus ihrem Rettungsboot.

Der unter liberianischer Flagge fahrende voll beladene Öltanker Brilliante Virtuoso geriet nach einer Piraten-Attacke 12 sm vor der jemenitischen Küste in Brand.

Die 26 philippinischen Besatzungsmitglieder flüchteten in die Rettungsboote und wurden von dem amerikanischen Lenkwaffenzerstörer USS Philippine Sea (Foto) geborgen, die Piraten machten sich mit ihren Skiffs aus dem Staub.

Sie hatten den 144.00-Tonnen-Tanker am 6. Juli morgens noch vor Sonnenaufgang auf seiner Fahrt von der Ukraine nach China mit Raketen angegriffen. Dabei gerieten die Unterkünfte der Besatzung in Brand.

Unterdessen sind die Flammen gelöscht und der Tanker liegt vor Anker. Zwei Schlepper aus Aden/Jemen sichern das Schiff.

Für Piraten-Experten ist besonders der Zeitpunkt des Überfalls interessant. Bisher haben Piraten aus Somalia nicht im Dunkeln angegriffen. Offenbar ändern sie jetzt ihre Taktik und setzen Nachtsichtgeräte ein.

Das ist keine gute Nachricht für die Schifffahrt im Indischen Ozean. Der Sommermonsun, der  die Piraten in den letzten Wochen bei ihren Attacken behindert hat, lässt bald nach. Dass dann auch nachts mit Angriffen gerechnet werden muss, verschärft die angespannte Situation noch weiter.

Kommentar: Geld oder Leben

Kaum verurteilt, schon begnadigt. Das sieht doch nach Schmu aus, was da in Mogadischu abgelaufen ist. Die nahezu machtlose Übergangsregierung beschlagnahmt 3,6 Mio US-Dollar, die für somalische Piraten gedacht waren und schmeißt sechs Ausländer ins Gefängnis.

Klar, dass das von allen Seiten Druck gibt. Die Piraten sind sauer, weil ihr Geld weg ist. Die Reeder und Securityfirmen, die es beschafft und transportiert haben auch. Die Amis, Briten und Kenianer wollen nicht, dass ihre Staatsangehörigen in einem somalischen Gefängnis verrotten für etwas, was sie seit Jahren unbehelligt tun.

Wahrscheinlich haben ein paar Leute nicht nur gewaltig Stress, sondern auch die eine oder andere Handvoll Dollarnoten bekommen, um die Sache schnell zu bereinigen. So läuft das wohl in solchen Ländern.

Und wer das Geld nicht nimmt, ist früher oder später tot.

Piraten News vom 25. Juni: Hintergrund-Infos

Die letzte Woche war relativ ruhig, weil der Monsun ziemlich heftig bläst und im Indischen Ozean bis zu sechs Meter hohe Wellen den Piraten in ihren Skiffs das Leben schwer machen.

Deshalb habe ich heute wieder ein paar Hintergrundinformationen zur Piraterie vor Somalia.

1) Reportage über bewaffnete Söldner auf dem deutschen Gastanker GasChem Antarctic (Foto): hier.

2) Bericht über die Auseinandersetzungen um den Prozess gegen 24 somalische Piraten in Kenia, die von dem dänischen Kriegsschiff Esbern Snare auf See festgenommen wurden. Die Dänen hatten eine Dhau befreit, die von den Somaliern als Mutterschiff für Piratenangriffe genutzt wurde. Dabei wurden vier Verdächtige getötet, 16 Geiseln befreit und 24 Somali festgenommen: hier.

3) Zur Zeit sind mindestens 19 Schiffe mit 405 Besatzungsmitgliedern in der Gewalt der Piraten. Mehr im Weekly Piracy Report von SomaliaReport.

4) Diskussion über bewaffnete Söldner an Bord von Handelsschiffen und über die Strafverfolgung von Piraten beim 8. Treffen der Working Group (WG) 2 of the Contact Group on Piracy off the Coast of Somalia (CGPCS) am 21. Juni in Kopenhagen.

5) Gespräch mit einem verurteilten Piraten im somalischen Hargeisa Gefängnis.

Piraten gestrandet. Im indischen Bundesstaat Gujarat wurden jetzt 14 somalische Piraten mit drei jemenitischen Geiseln festgenommen. Sie waren bei dem Ort Nandel mit einem beschädigten Fischtrawler gestrandet.

Indische Seeleute von Piraten gefoltert

Die indischen Seeleute von der MV Suez berichten nach ihrer Freilassung von den Zuständen an Bord des Schiffes während der Geiselnahme.

Zehn Monate lang war das ägyptische Schiff in der Hand somalischer Piraten. In dieser Zeit erlitt die Crew Hunger, Prügel und Folter. Oft gab es tagelang nur Wasser und einmal in der Woche Nudeln oder Reis. Wenn die Piraten betrunken waren, folterten und misshandelten sie die Seemänner.

Die sechs Inder von der MV Suez trafen heute nach der Befreiung durch pakistanische Marineeinheiten in Indien ein. Mehr…

Piraten rüsten auf

Künftig werden die somalischen Piraten mit fest installierten Maschinengewehren auf den bereits gekaperten Mutterschiffen Handelsschiffe und Kreuzfahrer im Indischen Ozean angreifen.

Das erklärte Lieutenant Colonel Andy Price ein zur europäischen Anti-Piraten-Einheit EuNavFor abgeordneter Royal Navy Offizier. Die Eskalation sei kaum zu vermeiden. Price sagte voraus, dass die Gangster damit auf den verstärkten Einsatz von Söldnern Bord reagieren werden. Mehr…

(Source: )

Das ist ein Boardingteam von der portugiesischen Fregatte Vasco da Gama. Die Soldaten haben vier Somalier in einem Skiff umzingelt, die sie für Piraten halten, weil sie versucht haben, das Handelsschiff MV Ejnan im Golf von Aden anzugreifen. Bis die Helikopter, Fregatten und Zodiacs der europäischen Anti Piraten Mission EuNavFor vor Ort waren, hatten die Männer aber ihre Waffen längst über Bord geworfen. Wieder mal gibt es “keine Beweise”. Die Vasco da Gama läßt die Verdächtigen deshalb ungehindert nach Somalia zurück fahren - wie so oft. Immerhin haben die Gangster die Ejnan nicht gekidnappt.
NACHTRAG vom 21. Juni: heute teilt die EUNavFor mit, dass alles ganz anders war und die Männer NICHT versucht haben, die Ejnan anzugreifen. Die erste Meldung sei missverständlich gewesen. Trotzdem habe es sich wahrscheinlich um Piraten gehandelt und die Aktion sei insgesamt ein Erfolg. Die ursprüngliche Meldung, auf die ich hier noch verlinkt habe, wurde vom Netz genommen. Hmmm…

Das ist ein Boardingteam von der portugiesischen Fregatte Vasco da Gama. Die Soldaten haben vier Somalier in einem Skiff umzingelt, die sie für Piraten halten, weil sie versucht haben, das Handelsschiff MV Ejnan im Golf von Aden anzugreifen. Bis die Helikopter, Fregatten und Zodiacs der europäischen Anti Piraten Mission EuNavFor vor Ort waren, hatten die Männer aber ihre Waffen längst über Bord geworfen. Wieder mal gibt es “keine Beweise”. Die Vasco da Gama läßt die Verdächtigen deshalb ungehindert nach Somalia zurück fahren - wie so oft. Immerhin haben die Gangster die Ejnan nicht gekidnappt.

NACHTRAG vom 21. Juni: heute teilt die EUNavFor mit, dass alles ganz anders war und die Männer NICHT versucht haben, die Ejnan anzugreifen. Die erste Meldung sei missverständlich gewesen. Trotzdem habe es sich wahrscheinlich um Piraten gehandelt und die Aktion sei insgesamt ein Erfolg. Die ursprüngliche Meldung, auf die ich hier noch verlinkt habe, wurde vom Netz genommen. Hmmm…

Drama im Arabischen Meer: Freigelassene MV SUEZ sinkt, Crew evakuiert

Der ägyptische Frachter MV Suez ist nach seiner Freilassung durch somalische Piraten 100 sm vor Salalah/Oman in Seenot geraten. Die 22köpfige Besatzung wurde auf ein pakistanisches Kriegsschiff evakuiert. Die Suez treibt antriebslos im Meer. Mit ihrem Untergang wird jeden Moment gerechnet.

Das Drama um die Suez  (Foto) nimmt kein Ende. Vor zehn Monaten wurde sie von Piraten entführt. Die 22 Crew-Mitglieder aus Ägypten, Pakistan, Sri Lanka und Indien kamen in Geiselhaft.

Aber damit fing die Pechsträhne der Männer und ihres Schiffes erst an.

  • Als der Eigner und andere Geldgeber das Lösegeld in Höhe von 1,5 Mio. Dollar endlich zusammen hatten, schlug die Übergabe fehl. Die Geldboten wurden auf dem Flughafen in Mogadischu/Somalia verhaftet. Ihre Flugzeuge und das gesamte Lösegeld beschlagnahmt. Mehr...
  • Kaum war Ersatzgeld beschafft und das Schiff endlich freigelassen worden, wurde es auf dem Weg nach Salalah im Oman schon wieder von Gangstern attackiert und mit Panzergranaten beschossen. Einem Piraten gelang es sogar, an Bord der Suez zu klettern. Er wurde aber von der Besatzung trotz ihres schlechten Gesundheitszustandes überwältigt und ins Meer geworfen. Mehr…
  • Wieder versuchte das Schiff, den rettenden Hafen zu erreichen. Aber dann waren die Treibstofftanks leer. Die Suez trieb hilflos in der der durch den Monsun aufgewühlten See.
  • Ein herbeigerufener Schlepper fiel wegen technischer Probleme aus und konnte nicht helfen.

Inzwischen war aber wenigstens das pakistanische Kriegsschiff PNS Babur aufgekreuzt und schickte ein Boardingteam, Ärzte und Lebensmittel an Bord. Schließlich bat der Käpitän der Suez die Pakistani um die Evakuierung seiner Leute.

Unterdessen ist die Besatzung der Suez  auf dem Weg nach Pakistan (im übrigen eifersüchtig überwacht von der indischen Marine). Die Suez ist ihrem Schicksal preisgegeben und sinkt. Mehr…

Das letzte Bild der Suez-Besatzung vor der Evakuierung durch pakistanische Marine-Soldaten

Kommentar: Kein Cent Lösegeld!

15 Jahre im Knast von Mogadischu, das ist nur ein anderes Wort für Todesstrafe. Ich drücke den erfolglosen Lösegeldboten die Daumen, das irgendjemand sie möglichst schnell da raus holt.

Andererseits bedeutet jeder Cent Lösegeld, der an somalische Piraten gezahlt wird, mehr Überfälle, mehr Geiselnahmen, mehr Folter, mehr Tote. Lösegeld ist der Treibstoff der modernen Piraterie. Wenn man den Hahn zudreht, trocknet man das kriminelle Geschäft der Seeräuber aus.

Zur Zeit müssen durchschnittlich fünf Mio. Dollar für jedes gekaperte Schiff bezahlt werden. Etwa 20 Schiffe mit über 400 Geiseln sind jetzt gerade in der Gewalt der Piraten.

Mit den dafür fälligen Lösegeldern in Höhe von 100 Mio. Dollar könnte man mit Leichtigkeit eine noch besser funktionierende Küstenwache in den Provinzen Puntland und Somaliland aufbauen und noch  mehr Lösegeld-Transporteure abfangen, bevor sie die Millionen in US-Dollarnoten abwerfen können.

Die Geldboten machen ihren Job nämlich nicht aus Freundlichkeit, sondern weil sie an den Geiselnahmen auf hoher See genauso verdienen wie alle anderen: Versicherungen, Rechtsanwälte, Security-Firmen und - natürlich - die Piraten.

Wenn man dieses brutale Geschäft, an dem alle profitieren, trocken legen will, muss das Zahlen von Lösegeldern international verboten werden. Von allein hört keiner damit auf.

Michael Kneissler

Geldboten in Somalia zu 15 Jahren Haft verurteilt

Sechs Mitarbeiter einer Security-Firma, die Lösegelder in Höhe von 3,6 Mio. Dollar für somalische Piraten nach Mogadischu geschmuggelt hatten, wurden gestern in Somalia zu hohen Haftstrafen verurteilt. Das berichtete heute SomaliaReport.

Die sechs Männer - drei Briten, zwei Kenianer und ein US-Amerikaner - waren mit zwei Privatmaschinen und dem Geld in Mogadischu gelandet und dort am 24. Mai festgenommen worden. Das Geld sollte mit Kanistern an Fallschirmen über gekaperten Schiffen abgeworfen werden.

Zwei der Briten, angeblich heißen sie Andrew Oaks und Alex James, wurden zu 15 Jahren Haft verurteilt, die anderen Männer zu jeweils 10 Jahren. Die Briten arbeiten für die kenianische Sicherheitsfirma Salama Fikira. Die Haft sollen die Männer im Gefängnis von Mogadischu absitzen.

Das Geld und die beiden Flugzeuge wurden von den somalischen Behörden beschlagnahmt. Eine offizielle Bestätigung für das Urteil gibt es bisher noch nicht.

Deutsches Schiff SUSAN K freigekauft

Der deutsche Frachter Susan K wurde gestern von somalischen Piraten freigelassen. Das Lösegeld betrug nach unterschiedlichen Angaben zwischen 4 und 5,7 Mio Dollar.

Die Leerer Reederei Nimmrich & Prahm bestätigte heute, dass ein Lösegeld gezahlt worden sei. Die Susan K sei nun auf dem Weg zu einem sicheren Hafen. In Somalia heißt es dagegen, das Schiff liege noch immer vor der Küste Somalias vor Anker und werde erst später in Richtung Djibouti fahren.

Das Schiff war am 8. April 200 sm vor dem Sultanat Oman mit 10 Mann Besatzung an Bord überfallen worden. Die Piraten sprechen allerdings von 19 Geiseln. Mehr…

Nachtrag vom 18. Juni: EuNavFor bestätigt heute, dass die Susan K frei und auf dem Weg in einen sicheren Hafen ist.

(Source: oz-online.de)

Indische Anti-Piraten-Strategie erfolgreich

Seit die Inder vor ihrer Küste massiv gegen Piraten-Mutterschiffe vorgehen und diese mit Mann und Maus versenkt haben, gibt es kaum noch Piratenangriffe vor dem Subkontinent.

Das wurde jetzt am Rande der Schiffs-Sicherheitsmesse MS&D in Hamburg bekannt. Die somalischen Gangster verwenden unterdessen immer häufiger bereits gekaperte Handelsschiffe als Basis für ihre Raubzüge. Bis zu 100 Piraten sind dann an Bord dieser Mutterschiffe. Neue Zielregion für die Seeräuber ist das Rote Meer und damit die direkte Kontrolle über die Zufahrt zum Suezkanal.

Mehr als 20 Marinedelegationen haben sich zur Internationalen Messe und Konferenz für maritime Sicherheit und Verteidigung (MS&D) in den Hamburger Messehallen angemeldet. Darunter sind die Navychiefs aus Südafrika, Katar Algerien. Laut Messechef Bernd Aufderheide ist die Messe in Deutschland einzigartig. Mittelfristig solle die MS&D zur zentralen Diskussions- und Informationsplattform für sicherheitsrelevante Themen im maritimen Sektor werden. Mehr…

Lösegeldübergabe für deutsches Schiff

Die somalischen Piraten haben die deutsche Susan K von ihrem Ankerplatz vor dem somalischen Küstenort Rasu Bina im Bargal Distrikt verlegt. Dies gilt als Anzeichen dafür, dass die Lösegeldübergabe dicht bevorsteht.

Der Frachter war am 7. April 200 sm nordöstlich von Salalah/Oman entführt worden. Die MV Susan K (Foto) war unter der Flagge von  Antigua und Barbuda  auf dem Weg von Port Sudan nach Mumbai. An Bord sind zehn, nach anderen Angaben 19 Seeleute, unter anderem aus der Ukraine und von den Philipinen. Das Schiff wird ersten, noch unbestätigten Recherchen zufolge von der Leerer Reederei Nimmrich & Prahm bereedert.

Nach Angaben aus Somalia hat sich die Reederei mit den Piraten auf ein Lösegeld in Höhe von 4 Mio. Dollar geeinigt. Angeblich erschien den Gangstern Rasu Bina für die Übergabe nicht sicher genug, weil häufig Militär-Helikopter den Ort überfliegen. Das Lösegeld soll aus Flugzeugen über dem Schiff abgeworfen werden. (Wie das funktioniert, lest ihr hier.)

Das Schiff befindet sich jetzt auf dem Weg nach Hafuun. Die Piratengruppe und ihre Finanziers haben sich mit sechs Geländewagen ebenfalls auf dem Weg zur neuen Destination gemacht, wie die gewöhnlich gut informierte Nachrichtenseite SomaliaReport meldet.


Drama vor der Piratenküste: MV Orna brennt

UPDATE vom 20. Juni. Ein Piratensprecher erklärte , die Seeräuber hätten 19 Mann von dem brennenden Schiff in Sicherheit gebracht. Die Geiseln seien weiterhin in der Gewalt der Piraten.

UPDATE vom 17. Juni. Feuer ist aus, aber Brücke schwer in Mitleidenschaft gezogen.

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Die entführte MV Orna (Foto) brennt vor dem somalischen Küstenort Harardhere.

Das am 20. Dezember entführte Schiff wurde zuletzt von Piraten aus Somalia als Mutterschiff für Attacken auf andere Frachter benutzt. Die Orna ist mit 26.000 Tonnen Kohle beladen, die sie von Südafrika nach Indien bringen sollte. An Bord ist eine 19köpfige Besatzung aus Syrien und Sri Lanka. Wie es den Männern geht, ist unklar.