Tödliche Schüsse. Security erschießt Fischer statt Piraten
Im Krieg gegen die Piraterie gibt es immer mehr Tote im Indischen Ozean. Bewaffnete Security-Männer an Bord von Handelsschiffen erschießen Piraten - und gelegentlich auch harmlose Fischer.
Ein Vorfall, der sich am 15. Februar 2012 dicht vor der Küste des indischen Bundesstaates Kerala abspielte, beleuchtet dieses Drama. Er führte unterdessen zu einem ernsthaften diplomatischen Zerwürfnis zwischen Indien und Italien.
An diesem Tag begegneten sich vor der indischen Küste nach Einbruch der Dunkelheit der große italienische Tanker Enrica Lexie und das kleine indische Fischerboot St. Anthony. Die beiden italienischen Marinesoldaten an Bord des Tankers hielten die indischen Fischer für Piraten und feuerten angeblich Warnschüsse in die Luft und in das Wasser ab, um das kleine Schiff zu stoppen. Danach waren zwei indische Fischer tot.
Die indischen Behörden verhafteten die Marinesoldaten und erhoben Mordanklage. Rom will das nicht akzeptieren, weil sich der Vorfall in internationalen Gewässern ereignet habe. Das Verfahren zur Aufklärung des Falles soll nach Meinung der italienischen Regierung in Italien stattfinden.
- Die unterschiedlichen Positionen Italiens und Indiens und die darauf bezogenen Rechtsfragen werden hier (engl.) sehr gut dargestellt. Etwas verworren ist der FAZ-Bericht dazu. Die Times Of India hat alle Berichte zu dem Vorfall hier aufgelistet.
Interessant ist, dass nun zum ersten Mal ein durch Sicherheitskräfte an Bord von Handelsschiffen verursachter Todesfall juristisch geklärt wird. Das wird Auswirkungen auf den Einsatz von bewaffneten Security Teams haben.
Nach Meinung von Beobachtern ist das nicht der erste Todesfall. Einer sagt:
“It’s very likely people are being killed out in the Indian Ocean by private guards and it’s not being reported.”
Mehr dazu: hier.