Der Kapitän und sein Pirat

Jetzt gibt es einen Dokumentarfilm zur Entführung des deutschen Frachters Hansa Stavanger durch somalische Piraten: Der Kapitän und sein Pirat.

Dem Münchner Filmemacher Andy Wolff gelang es, sowohl den Anführer der Piraten als auch seine Geisel, den Kapitän des deutschen Schiffes, vor die Kamera zu holen. Außerdem zeigt er verstörende Bilder, direkt aus den Piratennestern an der somalischen Küste. Unbedingt angucken. Mehr…

Das Buch zur Entführung: hier.

Das beste Buch zur Piraterie überhaupt: Piratenterror

Lösegelder: Wer profitiert in Europa?

Britische Experten fordern die Regierung auf, verstärkt die Spur der Lösegelder zu verfolgen, die an somalische Piraten bezahlt werden.

In einem Report des Foreign Affairs Committee heißt es, es gebe den Verdacht, dass Teile der 135 Mio. Dollar Lösegeld nach Europa zurückfliessen. Jetzt sollen Hintermänner und Profiteure ermittelt werden. Mehr…

Bekannt ist, dass ein Großteil der Lösegeldzahlungen über London abgewickelt werden. In Piraten-Terror heißt es:

London gilt als Zentrum der internationalen Lösegeld-Industrie. Hier sitzen die meisten Anwälte, Security-Unternehmen und Berater, die angeheuert werden, wenn Piraten ein Schiff kapern. Die Rechtsanwaltskanzlei  Holman Fenwick Willan LLP beispielsweise wickelte nach eigenen Angaben 2008 und 2009 über 50 Prozent der Schiffsentführungen vor der Küste Somalias ab.

Der Bericht Foreign Affairs Committee - Tenth Report Piracy off the coast of Somalia im Wortlaut (engl.): hier

Technik gegen Piraten: Stinktier auf Speed

Die Anti-Piraten-Branche boomt, seit nicht nur vor Ostafrika, sondern auch im Golf von Guinea immer mehr Piraten Tanker und Frachter attackieren.

Der beste Schutz gegen Piraterie ist immer noch, die High Risk Gebiete zu meiden oder bewaffnete Security an Bord zu nehmen. Trotzdem entwickeln Ingenieure, Tüftler und Techniker ständig neue Technologien zur Verteidigung von Handelsschiffen.

Über 130 Lärmkanonen vom Typ LRAD zu mindestens 21.000 Dollar/Stück sind nach einem Bericht von bloomberg.com auf US-Schiffen installiert. Sie erzeugen bis zu 150 Dezibel, der Lärm, den ein startender Jet in 100 m Entfernung verursacht. Die Wirksamkeit ist umstritten. In dem Buch Piratenterror wird der Security-Mann Mike Kelly zitiert, dessen Schiff Biscaglia angegriffen wurde, obwohl Kelly eine LRAD-500X-Schallkanone einsetzte. Kelly:

Wir dachten, das würde die Piratenvertreiben, aber die lachten nur darüber. Der Einsatz der LRAD war pure Zeitverschwendung.

Piratenterror, S. 204

Technolog dokumentiert einige neue Verfahren:

Die britische Firma  BCB International hat eine Abschußanlage für Netze (Foto) entwickelt, mit ihr können angreifende Speedboote in einer Entfernung von bis zu 800 Metern eingewickelt werrden. Vorausgesetzt, das Netz öffnet sich an der richtigen Stelle.

Die Firma International Maritime Security Network entwickelte das “Triton Shield Anti-Piracy System.” Es beinhaltet bewaffnete Security, Kamerasysteme und - Höhepunkt der Abschreckung - einen “unbezwingbaren Vorhang aus stinkendem Wasser”, mit dem angreifende Piraten-Skiffs eingesprüht werden können. Ein Sprecher der Firma sagt: “Das riecht wie ein Stinktier auf Speed”. Hier gibt es einen kleinen Film dazu.

Die britische Militär-Firma  BAE Systems hat den Prototyp für einen anti-pirate laser (Illustration links) entwickelt. Er ist angeblich augensicher und soll trotzdem angreifende Seeräuber vertreiben.

Businessmodell Piraterie bewährt sich auch in Westafrika

Piraterie findet nicht nur vor der Küste Somalias statt. Die höchste Zuwachsrate an kriminellen Überfällen auf Handelsschiffe verzeichnete dieses Jahr Westafrika.

Dort, in der ölreichen Boom-Region im Golf von Guinea (Karte), sind immer mehr PAGs Pirat Action Group) aktiv. Das Businessmodell ist simple: wenig Investitionen, wenig Risiko, extrem hohe Gewinnchancen. Man braucht nur ein Boot mit Außenbordmotor, ein paar Kalaschnikows und einen Rakatenwerfer aus den Restbeständen irgendeines afrikanischen Bürgerkriegs, ein paar verzweifelte Männer - und schon geht es los.

Im Gegensatz zu den somalischen Piraten haben sich ihre westafrikanischen Kollegen nicht auf Geiselnahme und Lösegeldverhandlungen spezialisiert. Sie entführen am liebsten Öltanker, pumpen die Ladung um und lassen das Schiff dann weiterfahren.

Piratenterror - das Buch

Alles über maritime Piraterie weltweit einschließlich der Namen von Piratenführern in Somalia, ihrer Hintermänner und beteiligter Politiker lest ihr in diesem Buch.

Außerdem:

  • die Geschichte der Piraterie
  • der Kampf gegen Piraten
  • Augenzeugenberichte von Geiseln
  • Berichte des UN Sicherheitsrates
  • der Einsatz von Söldnern und was sie kosten.

Hier ist der Link zu amazon.

Versicherungsrabatt für bewaffnete Security an Bord

Einige Versicherungen geben bis zu 35 Prozent Rabatt auf ihre Policen für Kidnapping und Lösegeldzahlungen, wenn Schiffe in den Piratengebieten bewaffnete Security-Teams an Bord nehmen.

In den Highrisk Gebieten verlangen die Versicherer nach Angaben der türkischen Nachrichtenseite SeaNews sogenannte War-Rates. Das bedeutet, dass ein durchschnittlicher Frachter mit einem Versicherungswert von 20 Mio. Dollar Versicherungsgebühren von rund 35.000 Dollar für die 7tägige Passage des Golf von Aden (GOA)  bezahlen muss.

Ein Rabatt von 35 Prozent macht dann eine Ersparnis von 12.250 Dollar aus. Ein bewaffnetes Security-Team für diesen Trip kostet nach einer Berechnung in meinem Buch Piraten-Terror knapp 30.000 Euro (rund 40.000 Dollar)

Washington Post bestätigt Piratenterror-Information

Die USA setzen von den Seychellen aus Drohnen gegen Ziele in Somalia ein.

Damit bestätigte jetzt die Washington Post eine Information aus meinem Buch Piratenterror. Dort heißt es:

Rund 30 Kampfeinheiten der NATO, der Europäischen Union sowie Kriegsschiffe aus Indien, Russland, Japan, China, Malaysia, Indonesien und aus dem Iran sind unterdessen am Horn von Afrika stationiert. Dazu kommen Aufklärungsflugzeuge, die von Djibuti aus operieren und Überwachungsdrohnen, die auf den Seychellen starten. Die vereinte Armada soll die lebenswichtige Seewege über den Indischen Ozean und durch den Suezkanal schützen.

Stammesälteste in Puntland gegen Piraten

Die Stammesältesten in der semi-autonomen Region Puntland in Somalia werfen der Regierung vor, zuwenig gegen die Piraten zu unternehmen.

Die traditionellen Führer wenden sich damit nach einem Bericht des Nachrichtendienstes SomaliaReport gegen Puntlands Präsident Abdirahman Mohamed Faroole. “Was wir erleben ist, dass die Zahl der Piraten Tag für Tag wächst und uns belastet, sowohl ökonomisch als auch was die Sicherheit betrifft”, sagte der Ältestenrat.

SomaliaReport zitiert einen Sprecher der Piraten, der angibt, eine Reihe von Ministern seien an der Piraterie beteiligt.

Mich überrascht das nicht. Der Präsident Faroole aka Farole (Foto) selbst gilt nämlich als einer der Paten der Piraten in Somalia. In meinem Buch Piratenterror zitiere ich den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (UN) mit der Feststellung, Puntland entwickle sich unter Faroole zu einem korrupten und kriminellen Staat.

Auszug aus Piratenterror:

In der semiautonomen Region Puntland, die über ein rudimentäres Staatssystem verfügt und die Piraterie einigermaßen unter Kontrolle halten konnte, hat sich die Situation seit der Machtübernahme durch Abdirahman Mohamed Faroole vom Mussa-Issa-Clan im Jahr 2009 verschlechtert. In den Berichten für den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen heißt es, Puntland entwickle sich unter dem neuen Präsidenten in einen kriminellen Staat. Sowohl der Präsident selbst, als auch Mitglieder seines Kabinetts seien korrupt. Insbesondere Innenminister General Abdullahi Ahmed Jama „Ilkajiir“ und der Minister für innere Sicherheit General Abdillahi Sa’iid Samatar stünden auf der Payroll der Piraten. Kein Wunder, wenn der Etat des Staates gerade mal 20 Prozent des Jahresumsatzes der Piraten ausmacht.

Geheimdienste: Piraten finanzieren Al Kaida

Jetzt haben auch die Geheimdienste gecheckt, dass die Piraten in Somalia in Verbindung mit der Terrororganisation Al Kaida stehen.

Die somalischen Milizen der al Shabab übernehmen das Inkasso eines Anteils der Lösegelder für entführte Schiffe und geben einen bestimmten Prozentsatz weiter an Al Kaida. Mehr…

Interessant, wie lange die Dienste gebraucht haben, um mein Buch Piratenterror durchzuarbeiten. Da steht das alles seit letztem Jahr drin.

Gift-Container an Somalias Küste

Die somalischen Piraten legitimieren ihre Überfälle auf Handelsschiffe unter anderem mit der Behauptung, diese würden Giftmüll an ihrer Küste verklappen. Aber stimmt das? Der Informationsdienst SomaliaReport hat es überprüft.

Tatsache ist, dass in den 90er Jahren große Mengen Sondermüll vor allem aus Italien illegal vor der Küste des ostafrikanischen Landes verklappt wurde (Grafik rechts). Das bestätigte Ahmedou Ould-Abdallah, der Sondergesandte der Vereinten Nationen und ein Sprecher von UNEP, dem Umweltprogramm der UN. Es habe sich um tausende Tonnen gehandelt, darunter auch radioaktiver Abfall. (Mehr dazu in meinem Buch Piratenterror S. 187 ff).

Heute aber scheint niemand mehr Gift vor Somalia ins Meer zu werfen. Jedenfalls gab es bei den Recherchen von SomaliaReport keine Anzeichen dafür. Der Sonderkorrespondent des Dienstes wurde allerdings bei seinen Recherchen stark behindert und vorübergehend gekidnappt. Der ganze Bericht: hier.

Puntlands Präsident fordet Hilfe im Kampf gegen Piraten

Abdirahman Mohamed Faroole, der Präsident der somalischen Provinz Puntland, forderte in einem Brief an die UN die Befreiung eines Schiffes aus der Gewalt von Piraten.

Das ist interessant. Faroole aka Farole (Foto) gilt nämlich als einer der Paten der Piraten in Somalia. in meinem Buch Piratenterror zitiere ich den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (UN) mit der Feststellung, Puntland entwickle sich unter Faroole zu einem korrupten und kriminellen Staat.

Auszug aus Piratenterror:

In der semiautonomen Region Puntland, die über ein rudimentäres Staatssystem verfügt und die Piraterie einigermaßen unter Kontrolle halten konnte, hat sich die Situation seit der Machtübernahme durch Abdirahman Mohamed Faroole vom Mussa-Issa-Clan im Jahr 2009 verschlechtert. In den Berichten für den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen heißt es, Puntland entwickle sich unter dem neuen Präsidenten in einen kriminellen Staat. Sowohl der Präsident selbst, als auch Mitglieder seines Kabinetts seien korrupt. Insbesondere Innenminister General Abdullahi Ahmed Jama „Ilkajiir“ und der Minister für innere Sicherheit General Abdillahi Sa’iid Samatar stünden auf der Payroll der Piraten. Kein Wunder, wenn der Etat des Staates gerade mal 20 Prozent des Jahresumsatzes der Piraten ausmacht.

Aber vielleicht hat der Präsident sich ja jetzt entschieden, zu den Guten zu gehören. Oder wurde das Schiff nur von einer konkurrierenden Piratengruppe entführt?

Piratenterror auf twitter

Alle Infos aus diesem Blog könnt ihr auch auf twitter verfolgen.

Koreanische Marine tötet 8 somalische Piraten

Bei der Befreiung des vor sechs Tagen entführten Frachters Samho Jewelry sind heute acht Piraten aus Somalia getötet worden.

Südkoreanische Spezialeinheiten haben den Frachter 1.300 km vor der somalischen Küste zurückerobert. Die 21 Besatzungsmitglieder sind in Sicherheit. Der Kapitän des Schiffes wurde durch einen Bauchschuss verletzt, schwebt aber nicht in Lebensgefahr. Fünf Piraten wurden festgenommen.

Die Samho Jewelry  (Foto) war den Seeräubern auf dem Weg von den Vereinigten Arabischen Emiraten nach Sri Lanka in die Hände gefallen. Mehr…

Während beispielsweise die Kriegsschiffe der europäischen Anti-Piraten-Mission Atalanta (EuNavFor) mit dem Auftrag unterwegs sind, deeskalierend zu wirken, scheint Südkorea den Kampf gegen Piraten als Krieg aufzufassen und geht entsprechend skrupellos vor. Vielleicht trug zur knallharten Aktion auch bei, dass gerade erst für die Freilassung des Supertankers Samho Dream angeblich ein Rekord-Lösegeld von 9,5 Mio Dollar bezahlt werden musste.

In meinem Buch Piratenterror belege ich, dass robuste Aktionen wie die Südkoreas die einzig wirksamen gegen Piraten sind.

Piraten-Terror jetzt als e-book

Das aktuelle Sachbuch über die organisierten Kriminalität auf Hoher See gibt es ab sofort auch als e-book. Hier downloaden und lesen.

Deutsche Geiseln sind wie ein Sechser im Lotto

Bielefeld/Hamburg. Am 22. November hat in Hamburg der Prozess gegen zehn mutmaßliche Piraten aus Somalia begonnen, die am 5. April das deutsche Containerschiff Taipan überfallen haben. Sie wurden von einer Spezialeinheit der niederländischen Marine (UIM Unit Intervention Marines) an Bord der Taipan überwältigt und festgenommen.

Der Hamburger Journalist Michael Kneissler (54) hat soeben das Buch Piraten-Terror - Organisierte Kriminalität auf den Weltmeeren im Delius Klasing Verlag veröffentlicht. In einem Interview erläutert er die Hintergründe der Piraterie und er nimmt Stellung zum aktuellen Piraten-Prozess in Hamburg.



Sind die zehn Männer, die jetzt in Hamburg vor Gericht stehen, Täter oder Opfer?
Kneissler: Sie sehen aus wie Opfer in ihren viel zu weiten Jogging-Anzügen. Aber das ist
Prozesstaktik. Tatsache ist, dass sie in flagranti und schwer bewaffnet von niederländischen
Spezialeinheiten auf dem Containerschiff Taipan überwältigt wurden.

Was war das Ziel des Überfalls?
Kneissler: Somalische Piraten haben ein kriminelles Geschäftsmodell entwickelt, das aus
Geiselnahme und Erpressung besteht. Im Gegensatz zur klassischen Seeräuberei rauben
sie nicht das Schiff aus, sondern entführen es mit Mann und Maus und geben es erst gegen
die Zahlung von Lösegeldern wieder frei. Deutsche Geiseln sind wie ein Sechser im Lotto
dafür bekommt man viel Geld und mit Ärger wie bei den Franzosen ist kaum zu rechnen. Die
schicken schon mal Spezialeinheiten an Land und knöpfen sich die Täter vor. Das höchste
Lösegeld, das bisher bezahlt wurde, betrug 9,5 Millionen Dollar.

Wer verdient an der Piraterie?
Kneissler: Die Täter vor Ort bekommen ein paar hundert Dollar. Derjenige, der das Schiff
zuerst entert, erhält allerdings meistens einen Geländewagen als Prämie. Richtig reich
werden die Hintermänner, meistens Somalier, die im Ausland leben oder die örtlichen
Warlords. Und natürlich die Anwälte in London, die die Verhandlungen führen und die
Security-Firmen, die das Geld ausliefern.

Warum findet der Prozess in Deutschland statt?
Kneissler: Die Taipan gehört einem deutschen Reeder, fuhr unter deutscher Flagge und
hatte deutsche Besatzungsmitglieder an Bord. Nach internationaler Rechtsauffassung
können deutsche Gerichte den Fall beurteilen.

War es klug, die zehn Somalis nach Deutschland zu bringen?
Kneissler: Bisher hat die Bundesregierung versucht, Piratenprozesse in Deutschland zu
vermeiden. Der Aufwand, der hier mit Dolmetschern und Anwälten betrieben wird, ist
gewaltig. Eine Abschreckung gibt es nicht, weil dieser Prozess in Somalia niemanden
interessiert. Und selbst wenn die Angeklagten verurteilt werden, ist es für sie eher Belohnung
als Bestrafung. So sicher wie in einem deutschen Gefängnis ist es nirgendwo in ihrem
Heimatland, wo 3,5 Millionen Menschen vom Hungertod bedroht sind oder in Bandenkriegen
wahllos erschossen werden.

Können die zehn Angeklagten in Deutschland Asyl beantragen?
Kneissler: Selbstverständlich, egal ob sie verurteilt werden oder nicht. Und kein Gericht wird
sie nach Somalia ausweisen, wo es jede Menge Gewalt und Hunger, aber keine
Menschenrechte gibt. Im Gegenteil: Vermutlich haben die Betroffenen das Recht, ihre
Familien nach Deutschland zu holen. Und dann werden sie vermutlich von staatlichen
Transferleistungen leben. Besonders viele Jobs für Piraten gibt es in Deutschland nicht.

Zur Zeit gibt es täglich Meldungen von Schiffsüberfällen. Was geschieht eigentlich mit diesen Piraten?
Kneissler: Die meisten schaffen es, mit ihren Geiseln die Küste zu erreichen. Dort sind sie
sicher. Im Moment halten somalische Piraten um die 30 Schiffe und 500 Besatzungsmitglieder
in ihrer Gewalt. Chancen zur Befreiung gibt es nur, wenn sich die Schiffsbesatzung
sich in schusssichere Panikräume flüchten kann, wie es einen auf der Taipan gab.

Was macht die internationale Kriegsflotte vor Somalia eigentlich?
Kneissler: Die beschützen hauptsächlich die Schiffe mit Nahrungsmitteln für die hungernde
Bevölkerung in Somalia und einen Schifffahrtskorridor im Golf von Aden. Aber die Piraten
sind unterdessen im ganzen indischen Ozean unterwegs. Der ist so riesig, den kann man gar
nicht überwachen.

Gibt es eine Möglichkeit, die Piraterie zu beenden?
Kneissler: Es gibt zwei. Die erste ist, den islamistischen Milizen in Somalia die Macht zu
überlassen. Die bekämpfen die Piraten mit höchster Effektivität. Danach sind die Piraten
weg, aber dafür gibt es einen Terrorstaat mehr auf dem Globus. Die zweite Möglichkeit
besteht aus einer historischen Erkenntnis: Piraterie muss konsequent und radikal bekämpft
werden, wenn der Kampf Erfolg haben soll. Alle halbherzigen Aktionen nutzen nichts.

Ist der aktuelle Kampf gegen die somalischen Piraten konsequent und radikal genug?
Kneissler: Nein. Was da am Horn von Afrika passiert ist nicht viel mehr als eine
Truppenparade. Alle wollen dabei sein, weil es eine Meeresregion mit großer
Bedeutung für den Welthandel ist. Aber niemand will sich die Hände schmutzig
machen.