An einem einzigen Tag haben Piraten im Golf von Guinea drei Schiffe attackiert.
Die Angriffe fanden am 30. Juni in der Nähe der nigerianischen Insel Bonny Island statt. Jeweils sechs mit Sturmgewehren bewaffnete Piraten beschossen die Schiffe von einem Schnellboot aus. Keiner der Überfälle hatte Erfolg.
- Zunächst attackierten die Piraten einen Container-Frachter, der vor Bonny Island auf Anweisungen für das Ankern wartete. Die Besatzung zog sich in die Zitadelle zurück. Der Kapitän löste das ship security alert system (SSAS) aus. Die Piraten zogen sich zurück.
- Der zweite Angriff fand auf einen Öltanker statt. Die Piraten jagten das fahrende Schiff, konnten es aber nicht boarden. Am Schiff wurden nach der Attacke Einschußlöcher festgestellt. Kein Crew Mitglied wurde verletzt.
- Der dritte Angriff fand 70 sm südwestlich von Port Harcourt statt. Dieses mal griffen die Piraten einen Produkttanker an, der nigeranische Soldaten zum Schutz an Bord hatte. Nach einem 15minütigen Feuergefecht gaben die Piraten auf.
Mehr…
Die Wetterbedingungen im Indischen Ozean sind zur Zeit optimal für die kleinen Boote der Piraten aus Somalia und die Seeräuber sind wieder höchst aktiv.
Größere Schiffe sind ihnen - mit Ausnahme der MV Eglantine - bisher zwar nicht zum Opfer gefallen. Aber allein in der letzten Woche wurden zwei kleinere Schiffe gekidnappt.
- Am 28. März kaperten die Piraten eine Dhau unbekannter Nationalität vor Somalia. Das Schiff ist jetzt im Golf von Aden unterwegs.
- Am 27. März wurde ein Fischkutter vor Somalia entführt und zur Küste gebracht.
Zwischen dem 23. und 26 März fanden nach Angaben der NATO zudem noch drei erfolglose Attacken auf Handelsschiffe vor Somalia statt, einige davon mit Panzergranaten.
Zur Zeit läuft es nicht gut für Piraten. In den letzten Wochen gab es keine einzige erfolgreiche Kaperung von Handelsschiffen.
Der Live Piracy Report der Internationalen Handelskammer ICC meldert für die letzte Woche erfolgreiche Piratenangriffe in Asien, nicht aber in Afrika. Immer mehr Schiffe halten sich an die Best Management Praktiken (Foto), um Piraten abzuwehren, oder haben bewaffnete Sicherheitskräfte an Bord.
Nach einem Bericht des Nachrichtendienstes SomaliaReport versuchen die Piraten in Somalia jetzt, die Verhandlungen um Lösegeld für die derzeit über 300 von ihnen festgehaltenen Geiseln zu beschleunigen, um Einkünfte zu generieren. Außerdem gehen sie gezielt auf die Suche nach indischen Geiseln, um in Indien inhaftierte Komplizen gegen sie auszutauschen.
Angesichts der neuen Zahlen vom Internationalen Seefahrtsbüro (IMB) warnt die CDU vor einer Eskalationsspirale in der Piraterie und fordert den Einsatz von Elitetruppen gegen die Seeräuber.
Nach Angaben des IMB gab es von Januar bis Juni weltweit 266 Piratenangriffe, 70 mehr als im ersten Halbjahr 2010. Fast 500 Seeleute wurden als Geiseln genommen.
Hamburger Piraten-Prozess geht immer noch weiter. Jetzt erklären die Angeklagten, sie hätten die Tat im Drogenrausch begangen. Langsam wird’s lächerlich.
4.185 Seeleute wurden im Jahr 2010 von Piraten angegriffen, 1.090 wurden als Geiseln genommen, 516 als menschliche Schutzschilde eingesetzt. Das berichtet die Zeitung “The East African”.
Die Nürnberger Nachrichten glauben, dass der Sommermonsun die Piraten im indischen Ozean stoppen könnte. Wellen bis zu sechs Meter Höhe seien zu hoch für die kleinen Skiffs, mit denen die Seeräuber ihre Attacken fahren.
Ich bin anderer Ansicht. Ich glaube, dass die Piraten unterdessen in der Lage sind unabhängig vom Seegang zu operieren. Sie setzen einfach bereits gekaperte Schiffe als Mutterschiffe ein und sind dadurch weitgehend wetterunabhängig.
Der jetzt beginnende Sommermonsun endet Ende September.