Für die somalischen Geiselgangster wird es langsam eng. Zwar haben sie noch Dutzende von Schiffen und über 500 Seeleute in ihrer Gewalt, aber der Druck wächst. Auf See werden sie von der indischen und iranischen Kriegsflotte ohne langes Fackeln gejagt. An Land spüren sie eine zunehmende Ablehnung durch die Zivilbevölkerung und die Verfolgung durch Anti-Piraten-Polizisten der autonomen Region Puntland.
In Puntland sitzen unterdessen nach einem Bericht von Bloomberg Business Week 248 mutmaßliche Piraten im Gefängnis. Und in der letzten Woche wurden in der Hauptstadt Garowe zehn Piraten verhaftet. Offenbar gehören sie zu der Gruppe, die Ende April für die Freilassung der liberianischen MV Renuar 4-6 Mio. Dollar Lösegeld kassiert hatten.
Augenzeugen berichten, dass überall im Puntland Straßensperren der Polizei errichtet wurden und insbesondere die Piratenhochburgen Eyl, Bander Beyla und Bargal von Sondereinheiten überwacht werden.
Vorgestern kam es nach Berichten aus Somalia zu einem Schusswechsel zwischen Piraten und Kriegsschiffen vor dem Küstenort Hobyo, bei dem mindestens drei Piraten getötet, zwei weitere schwer verletzt und eine unbekannte Anzahl von Seeräubern vermisst wurde. Zwölf Somaliern gelang die Flucht mit einem Speedboot nach Hobyo. Ob dieser Vorfall mit einer Aktion der europäischen Anti-Piraten-Mission EuNavFor gegen ein Mutterschiff der Piraten in Zusammenhang steht - unklar. An der Aktion waren Scharfschützen einer estländischen Vessel Protection Einheit und das französische Kriegsschiff Nivose beteiligt. Im Bericht der EuNavFor ist allerdings von Toten und Verletzten keine Rede.
(UPDATE 15MAY 20:00: Unterdessen erklärte die dänische Marine, dass sie hinter dem Vorfall steckt, und dabei 16 iranische Geiseln aus der Hand der Piraten befreit werden konnte. Die Zahl der Toten gaben die Dänen mit vier an, dänische Soldaten und iranische Geiseln seien nicht betroffen. Die Kommandoaktion wurde von dem dänischen Kriegsschiff Esbern Snare aus durchgeführt. Die Esbern Snare ist für ihren robusten Einsatzstil bekannt).
Dennoch dreht das Piraten-Business immer noch hochtourig. In den letzten Tagen wurde nach Berichten aus Somalia und Spanien ein Lösegeld in Höhe von 5 Mio. Euro für die beiden spanischen Fischer Jose Alfonso Garcia und Captn. Alfonso Rey Echeverri bezahlt, die letztes Jahr vor den Komoren mit der FV Vega 5 gekidnappt worden waren.Der Trawler wurde seitdem von den Piraten im gesamten indischen Ozean als Mutterschiff eingesetzt.
Die Vega 5 wurde zwar am 12. März von der indischen Marine befreit (damals wurden 61 Piraten auf dem Schiff verhaftet und 13 Geiseln in Sicherheit gebracht), zu diesem Zeitpunkt waren die beiden Männer aber schon auf ein anderes Schiff, den ebenfalls gekidnappten italienischen Tanker Savina Caylyn (Foto) gebracht worden.
Gestern begannen die Lösegeldverhandlungen für den unter singaporischer Flagge fahrenden Tanker Gemini (Foto). Er wurde am 30. April vor Kenia gekidnappt, als er mit 28.000 Palmöl von Malaysia nach Mombasa/Kenia unterwegs war.