Pleitewelle bei Piraten

Das Geschäft mit Schiffsentführungen und Geiselnahme läuft nicht mehr rund. Statt knapp 1.000 haben somalische Piraten zur Zeit nur noch 150 Geiseln. Und der Nachschub stagniert.

Immer mehr Handelsschiffe sind bewaffnet und/oder haben Schutzräume (Zitadellen). Außerdem koordinieren sich die internationalen Schutzverbände besser. Nur noch 13 Schiffe konnten dieses Jahr von Piraten im Indischen Ozean entführt werden - Minusrekord.

In der einstigen Piratenhochburg Hobyo ist nichts mehr los. Die Piraten sind pleite und können sich weder teure Autos noch Alkohol leisten. Die Prostituierten sind abgereist, die Strassen leer.

Vermutlich ist Piraterie in dieser Region ein Auslaufmodell. Die Gangster müssen sich nach einem neuen Betätigungsfeld umsehen. (Söldner, Security-Unternehmen, Versicherungsagenten und auf Lösegeld spezialisierte Anwaltskanzleien allerdings auch).

Piraten in Somalia erschießen sich gegenseitig

Mindestens vier Tote hat gestern ein Schusswechsel zwischen verfeindeten Piratengruppen in Hobyo/Somalia gefordert.

Das berichtete der Nachrichtendienst SomaliaReport unter Berufung auf Einwohner des Ortes und Piraten. Ursache der Schießerei war ein Streit um das Lösegeld für den südkoreanischen Supertanker Samho Dream. Das Schiff mit 24 Besatzungsmitgliedern war im November 2011 nach sieben Monaten in der Gewalt von Piraten für ein Rekordlösegeld in Höhe von $9,5 Mio. freigelassen worden.

Tote bei Schusswechsel zwischen Piraten in Somalia

Bei Schießereien zwischen schwerbewaffneten Piratengruppen in Hobyo/Somalia gab es gestern morgen mindestens einen Toten und zwei Verletzte.

Der Schusswechsel soll mehrere Stunden gedauert haben. Ursache ist ein Lösegeldstreit. Angeblich ging es um Rückzahlungen eines Teiles der $9,5 Mio, die bereits 2011 für die Samho Dream bezahlt worden war.

Meldung von Somaliareport: hier.

Somalia will Piraten-Plage bis Mai beenden

Mutige Ansage: Die Botschafterin Somalias in Indien, Ebyan Mahamed Salah, kündigte an, bis Mai 2012 sei Somalia piratenfrei.

Die Regierung in Mogadischu hätte einen Masterplan vorgelegt, in dem die freiwillige Entwaffung der Piraten-Hochburgen in Harardhere, Garaad, Eyl und Hobyo vorgesehen sei. Bis dahin seien Gesetze verabschiedet, die es den Behörden erlauben, Piraten effektiv zu verfolgen. Mehr…

Kommentar: Behörden? effektiv? Für mich klingt das nach Märchen.

Piraten-News vom Donnerstag 8. September

Nach Wochen der relativen Ruhe vor Somalia (kaum Angriffe, keine Lösegeldzahlungen, keine Freilassungen), ist vorgestern wieder viel passiert. Die dänische Familie Johansen mit drei Kindern wurde von den Piraten in Somalia nach sechs Monaten Geiselhaft und Psychoterror freigelassen. Und auch die MV Panama mit 23 Mann Besatzung kam nach neun Monaten frei. Insgesamt wurden gestern angeblich 10 Mio. US-Dollar Lösegeld bezahlt.

Weitere Meldungen:

  • Die Piraten in Somalia dezimieren sich weiterhin selbst. Dienstag Nacht fanden zwei der Gangster bei Schießereien in Hobyo/Puntland vermutlich mit verfeindeten Gangs den Tot, drei wurden verletzt. Mehr…
  • In Eckernförde/Deutschland trainieren Kampfschwimmer und Marinetaucher (Foto) aus neun Nationen im Manöver Sandy Beach den Kampf gegen Piraten und Terroristen. Mehr…

Schwere Gefechte wegen Lösegeld für MT Polar

Heftige Schießereien gab es heute morgen zwischen zwei rivalisierenden Piratengruppen in Hobyo/Somalia um das Lösegeld für den Chemikalientanker Polar (Foto).

Das Schiff wurde gestern nach fast zehn Monaten in der Gewalt von Piraten freigelassen. Angeblich zahlte die griechische Reederei ein Lösegeld von 7,7 Mio. Dollar. Um die Aufteilung dieser Summe gab es nun Streit. Mehr…

Die Polar befindet sich auf dem Weg in einen sicheren Hafen.

Security an Bord macht Piraten nervös

Schon wieder gab es eine Schießerei mit Toten und Verletzten zwischen Piraten in Somalia.

Dieses mal ging es um eine AK 47, ein Schnellfeuergewehr und der Tote ist ein unbeteiligter Passant. Bei dem Schußwechsel in Hobyo in der quasiautonomen Region Puntland wurden aber auch drei Piraten verletzt.

Beobachter glauben, dass die zunehmende Nervosität der Gangster mit der zur Zeit geringen Erfolgsrate ihrer Angriffe auf Handelsschiffe zu tun hat. Das Geschäft stagniert. Schuld daran ist

  1. der Sommermonsun, der das Meer aufwühlt und Operationen mit den windigen Piraten-Skiffs schwierig macht
  2. die zunehmende Bewaffnung der Schiffe in den High Risk Gebieten durch Söldner.

Bisher konnten die bewaffnete Security-Teams jeden Piratenangriff zurückschlagen. In Kürze aber wird der Monsun endgültig vorbei sein, dann beruhigt sich das Meer und die Piraten haben größere Chancen, mit ihren von der Schulter abgefeuerten Raketen das Schiff und vor allem das Brückengebäude tatsächlich zu treffen.

Piraten dezimieren sich selbst

Wenn die Piraten in Somalia so weitermachen, gibt es sie bald nicht mehr. Schon wieder wurden bei einer Auseinandersetzung zwischen den Gangstern zwei Piraten getötet und vier verletzt.

Dieses mal kam es nach Angaben der gut informierten Website SomaliaReport in Hobyo zu einer Schießerei zwischen schwer bewaffneten Piratengruppen. Hobyo ist einer der letzten Küstenorte in der faktisch autonomen Region Puntland am Indischen Ozean, in den Piratengangs noch die Kontrolle ausüben. In anderen Orten hat sich die Dorfbevölkerung bewaffnet zusammengeschlossen und die Piraten vertrieben.

Somalia - der Kampf gegen Piraten. Das hier ist eine Dokumentation des ZDF Infokanals, die knapp 15 Minuten dauert und ein Bild gibt, von der Situation in Somalia. Bei 13:50 ist der Polizist zu sehen, der wegen der ZDF-Recherche in Hobyo angeschossen wurde.

Somalia will seine Piraten aus Indien zurück haben

120 somalische Piraten sitzen zur Zeit in einem neuen Gefängnis in Mumbai (aka Bombay) in Indien. Somalia fordert ihre Auslieferung.

Das erklärte die somalische Botschafterin für Indien, Ebyan Ladane Salah, dem Nachrichtendienst SomaliaReport. Die Übergangsregierung in Mogadischu/Somalia wolle die Männer dort vor Gericht stellen.

Die meisten Gefangenen in dem indischen Gefängnis stammen aus den Gebieten rund um die Orte Bari, Nugdal und Mudug in der quasiautonomen region Puntland, eine Minderheit kommt aus Harardhere, Hobyo und anderen Distrikten in Zentralsomalia.

Die Übergangsregierung ist allerdings nicht im ganzen Land und auch nur in wenigen Vierteln der Hauptstadt handlungsfähig.

Die Botschafterin hatte das Taloja-Gefängnis in Mumbai mit den somalischen Häftlingen am 7. Juni besucht.

Für diejenigen, die es interessiert (zum Beispiel Mitarbeiter von Sicherheitsbehörden, Polizei- und Geheimdiensten) habe ich hier eine Liste mit den Klarnamen von 42 somalischen Piraten

Was machen die Piraten mit ihren Millionen?

Fünf Millionen Dollar ist das durchschnittliche Lösegeld, dass die somalischen Piraten pro Schiff erlösen. Aber was machen sie eigentlich mit dem ganzen Geld?

SomaliaReport hat einen Korrespondenten in die Piraten-Hochburg Hobyo geschickt, der das hier recherchiert hat: Eine Million Dollar, der übliche Anteil für den Piraten-Anführer, verschwinden schnell für:

  • ein oder zwei Toyota Landcruiser (a 30.000 Dollar), die sofort durch ein Neufahrzeug ersetzt werden, wenn es einen Riss in der Scheibe oder eine Delle gibt
  • Drogen (incl. Khat)
  • Immobilien
  • Frauen
  • Partys

Der Rest wird in den nächsten Überfall investiert. Mehr…

20 Piraten in zwei Wochen getötet

Der Mai ist der bisher blutigste Monat in der Geschichte der somalischen Piraten. Mindestens 20 wurden von den Seestreitkräften getötet und mindestens ein Dutzend verhaftet. Die Lücken füllen die Seeräuber jetzt auch mit Mädchen.

Das berichteten somalische Medien gestern. Nach Informationen aus Hobyo rekrutierte die Piratengruppe Halgan in den letzten beiden Wochen insgesamt 14 junge Frauen im Alter von 18 bis 30 Jahren. Mehr…

Die aktuellen Vorfälle in der Zusammenfassung:

  • Vier Tote gab es letzte Woche bei der Befreiung des taiwanesischen Fischtrawlers Jih Chun Tsai 68 durch die amerikanische Fregatte USS Stephen W Groves. Unter den Toten sind der Kapitän des Trawlers und drei Piraten. Zwei Seemänner wurden verletzt.
  • Der Fischtrawler Alakrantxu wurde am 17. Mai vor Daressalam/Tansania von fünf Piraten auf einem Skiff attackiert. Die Fischer verteidigten sich. Es kam zu einem Schußswechsel, der die Piraten in die Flucht schlug.

Dänische Marine tötet vier Piraten, 10 verletzt

Das dänische Kriegsschiff Esbern Snare (Foto unten) war am Donnerstag an einem Anti-Piraten-Einsatz gegen den als Mutterschiff verwendeten thailändischen Fischtrawler Pantalay 12 vor der somalischen Küste beteiligt, bei dem mindestens vier Piraten getötet wurden.

Zehn Piraten wurden verletzt, 16 iranische Geiseln befreit. Geiseln und dänische Einsatzkräfte kamen bei der Aktion nicht zu Schaden. 14 Piraten wurden unverletzt in Gewahrsam genommen.

Die Esbern Snare war nach Angaben der Dänen bei einer Patrouillen-Fahrt vor Hobyo von dem verdächtigen Piratenschiff aus beschossen worden und hatte das Feuer unverzüglich erwidert.

Die Pantalay 12 (Foto) war im April 2010 zusammen mit den Schwesterschiffen Pantalay 11 und Pantalay 14 mit jeweils etwa 24 Besatzungsmitgliedern an Bord entführt worden. Der thailändische Eigentümer Dr. Tawanapong weigerte sich, das von den Piraten geforderte Lösegeld zu zahlen. Alle drei Trawler wurden von den Gangstern als Mutterschiff genutzt, zwei allerdings zu Beginn des Jahres von der indischen Marine attackiert und versenkt.  Mehr…

Hier gibt es ein Video von den dänischen Einsätzen.

Esbern Snare

Piraten in Somalia unter Druck

Für die somalischen Geiselgangster wird es langsam eng. Zwar haben sie noch Dutzende von Schiffen und über 500 Seeleute in ihrer Gewalt, aber der Druck wächst. Auf See werden sie von der indischen und iranischen Kriegsflotte ohne langes Fackeln gejagt. An Land spüren sie eine zunehmende Ablehnung durch die Zivilbevölkerung und die Verfolgung durch Anti-Piraten-Polizisten der autonomen Region Puntland.

In Puntland sitzen unterdessen nach einem Bericht von Bloomberg Business Week 248 mutmaßliche Piraten im Gefängnis. Und in der letzten Woche wurden in der Hauptstadt Garowe zehn Piraten verhaftet. Offenbar gehören sie zu der Gruppe, die Ende April für die Freilassung der liberianischen MV Renuar 4-6 Mio. Dollar Lösegeld kassiert hatten.

Augenzeugen berichten, dass überall im Puntland Straßensperren der Polizei errichtet wurden und insbesondere die Piratenhochburgen Eyl, Bander Beyla und Bargal von Sondereinheiten überwacht werden.

Vorgestern kam es nach Berichten aus Somalia zu einem Schusswechsel zwischen Piraten und Kriegsschiffen vor dem Küstenort Hobyo, bei dem mindestens drei Piraten getötet, zwei weitere schwer verletzt und eine unbekannte Anzahl von Seeräubern vermisst wurde. Zwölf Somaliern gelang die Flucht mit einem Speedboot nach Hobyo. Ob dieser Vorfall mit einer Aktion der europäischen Anti-Piraten-Mission EuNavFor gegen ein Mutterschiff der Piraten in Zusammenhang steht - unklar. An der Aktion waren Scharfschützen einer estländischen Vessel Protection Einheit und das französische Kriegsschiff Nivose beteiligt. Im Bericht der EuNavFor ist allerdings von Toten und Verletzten keine Rede.

(UPDATE 15MAY 20:00: Unterdessen erklärte die dänische Marine, dass sie hinter dem Vorfall steckt, und dabei 16 iranische Geiseln aus der Hand der Piraten befreit werden konnte. Die Zahl der Toten gaben die Dänen mit vier an, dänische Soldaten und iranische Geiseln seien nicht betroffen. Die Kommandoaktion wurde von dem dänischen Kriegsschiff Esbern Snare aus durchgeführt. Die Esbern Snare ist für ihren robusten Einsatzstil bekannt).

Dennoch dreht das Piraten-Business immer noch hochtourig. In den letzten Tagen wurde nach Berichten aus Somalia und Spanien ein Lösegeld in Höhe von 5 Mio. Euro für die beiden spanischen Fischer Jose Alfonso Garcia und Captn. Alfonso Rey Echeverri bezahlt, die letztes Jahr vor den Komoren mit der FV Vega 5 gekidnappt worden waren.Der Trawler wurde seitdem von den Piraten im gesamten indischen Ozean als Mutterschiff eingesetzt.

Die Vega 5 wurde zwar am 12. März von der indischen Marine befreit (damals wurden 61 Piraten auf dem Schiff verhaftet und 13 Geiseln  in Sicherheit gebracht), zu diesem Zeitpunkt waren die beiden Männer aber schon auf ein anderes Schiff, den ebenfalls gekidnappten italienischen Tanker Savina Caylyn (Foto) gebracht worden.

Gestern begannen die Lösegeldverhandlungen für den unter singaporischer Flagge fahrenden Tanker Gemini (Foto). Er wurde am 30. April vor Kenia gekidnappt, als er mit 28.000 Palmöl von Malaysia nach Mombasa/Kenia unterwegs war.

Piratenangriff endet mit blutiger Schießerei

Drei verletzte Besatzungsmitglieder forderte der Kampf um den Tanker Al Nouf (Foto) aus den Vereingten Arabischen Emiraten (VAE).

Das Schiff war am Montag vormittag 315 sm südöstlich von Hobyo/Somalia (03 47 0 N, 053 33 0 E) von zehn schwer bewaffneten Piraten in zwei Skiffs angegriffen worden. Der Käpitän schickte 18 Crewmitglieder in die Zitadelle und blieb selbst mit zwei Seeleuten und drei bewaffneten Security-Männern auf der Brücke.

Nun begann ein ungleicher Kampf, die zehn Piraten schossen mit Sturmgewehren und Panzergranaten auf das Schiff. Die drei Security-Leute schossen zurück. Schließlich drehten die Piraten ab. An Bord der Al Nouf gab es drei Verletzte (darunter ein Schwerverletzter). Über Opfer bei den Piraten ist nicht bekannt.  Mehr…

Vermutlich ist damit dieser mysteriöse Fall geklärt.