Immer mehr Piraten-Attacken in Westafrika

US-Ausbilder trainieren nigerianische Marine-Offiziere

Die extreme Zunahme von Piraten-Überfällen im Golf von Guinea gefährdet die Zukunft eines der wichtigsten wirtschaftlichen Hotspots in Westafrika.

Die Anliegerstaaten Nigeria und Angola gehören zu den wichtigsten Ölproduzenten, der Schiffsverkehr im Golf von Guinea wird immer dichter.

Für die organisierte Kriminalität ist das eine Herausforderung. Aber die Strategie der westafrikanischen Piraten unterscheidet sich von der ihrer Kollegen in Somalia/Ostafrika. Geiselnahmen und Lösegelder gehören nicht zu den Taktiken der vor allem aus Nigeria stammenden Gangster. Sie überfallen vor allem Tanker mit höchster Brutalität, entführen das Schiff und pumpen die Ladung ab. Dass sie auch ansonsten alles mitnehmen, was nicht niet- und nagelfest ist, muss nicht eigens erwähnt werden.

Unterdessen versuchen amerikanische und europäische Ausbilder die Küstenwache der Anrainerstaaten zu verstärken. Einen ausführlichen Bericht dazu gibt es in Voice of America.

Widerstand der Besatzung kann tödlich sein.

Lösegeld-Dealer in den USA vor Gericht

Der Chef-Verhandler der somalischen Piraten bei der Freilassung des deutschen Frachters Marida Marguerite steht jetzt in den USA vor Gericht.

Mohammed Saaili Shibin  (Foto) wird angeklagt wegen mehrfacher Geiselnahme, Kidnapping, Piraterie in mehreren Fällen, Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung und illegalem Waffenbesitz. Ihn erwartet eine mehrfach lebenslängliche Freiheitsstrafe.

Der 50jährige, der auch als Kalif Ahmed Shibin bekannt ist, war an den Lösegeldverhandlungen für die Crew der US Yacht Quest beteiligt. Die vier Amerikaner wurden damals die von den Piraten getötet. Danach töteten Navy Seals einige der Piraten und nahmen den Rest fest.

Auch bei den Verhandlungen um das deutsche Schiff hatte Shibin eine Schlüsselrolle. Er erhielt 30.000 bis 50.000 Dollar aus der Lösegeldsumme von angeblich 5,5 Mio. Dollar. Die Marida Marguerite war im Mai 2010 gekidnappt worden und kam erst im Dezember 2010 frei. Die Besatzung wurde während der Geiselhaft gefoltert.

Mehr Informationen:

Die Presseerklärung der US-Staatsanwaltschaft zur Anklage von Shibin

Die Tragödie auf der Quest

Die Entführung und Freilassung der Marida Marguerite

Greifen Piraten bald per Helikopter an?

Piraten, die per Helikopter angreifen und Seeleute, die wegen der Piratenattacken streiken - der Hamburger Innensenator Michael Neumann (SPD) malt ein dunkles Bild von der Situation im Indischen Ozean.

Zuvor hatte sich der Politiker mit Hamburger Reedern getroffen. “Der freie Handel wird durch Piraterie und Geiselnahmen immer stärker gefährdet”, sagte Neuman nach dem Treffen.

Neumann forderte mehr Einsatz der deutschen Marine. Vorbild könnten Dänemark und die Niederlande sein, die deutlich robuster gegen die Seeräuber vorgingen. “Die deutsche Flagge ist für manche Piraten schon ein Erkennungszeichen für ein gutes Lösegeldgeschäft”, sagte Neumann. “Eine Exportnation wie Deutschland muss aber in der Lage sein, ihre Handelsrouten zu sichern und notfalls robust durchzugreifen.” Mehr…

MV SUEZ schon wieder von Piraten angegriffen

Vier Tage nach ihrer Freigabe wurde die vor zehn Monaten gekaperte MV Suez erneut von Piraten attackiert.

Erst am Samstag war das Schiff gegen Zahlung von 1,5 Mio Dollar Lösegeld von somalischen Piraten freigelassen worden. Bei der Lösegeldzahlung war es zu einem Zwischenfall gekommen. Die Agenten, die das Geld über dem Schiff abwerfen sollten, wurden in Mogadischu mit Reisetaschen voller Dollarscheine verhaftet. Anscheinend wurde die Summe auf anderem Wege übergeben.

Die Besatzung der Suez besteht aus 6 Indern, 4 Pakistanis, 1 Sri Lankan und 11 Ägyptern.

Das Lösegeld war vom Ansar Burney Welfare Trust (ABWT), der Sindh Regierung und den Eignern der Suez aufgebracht worden. Nach der Freilassung dampfte das Schiff in Richtung Salalah/Oman, um dort notwendige Reparaturen vornehmen zu lassen und Kraftstoff zu bunkern. Es befand sich dabei unter indischer Satelliten-Überwachung.

Kurz vor Erreichen des Hafens wurde die Suez gestern von vier Piraten mit Raketen und Sturmgewehren beschossen. Ein Hilferuf an die indische Marine blieb nach Angaben der Nachrichtenseite SeaNews ohne Ergebnis. Dennoch konnte  die Besatzung das Schiff in Sicherheit bringen.

Einem der Piraten war es gelungen, an Bord zu kommen. Er wurde von der Besatzung überwältigt und sprang unter Zurücklassung seiner AK 47 über Bord.