Gestern fand auf Einladung des niedersächsischen Innenministers Uwe Schünemann (CDU) die Fachtagung Piraterie und ihre Bekämpfung in Berlin statt. Einige Dinge sind mir dabei aufgefallen:
Alle wissen, dass nur bewaffnete Sicherheitsteams an Bord Schutz vor Piraten garantieren und die ganze Welt fährt mit Söldnertrupps aus Israel, Kenia, Grossbritannien, Russland und den USA durch die piratenverseuchten Gebiete vor Somalia. Nur auf deutschen Schiffen ist es verboten.
Die deutsche Marine hat für ganz, ganz ernste Fälle sogenannte Vessel Protection Detachments (so heißen bewaffnete Sicherheitsteams beim Militär), die Schiffe schützen können. Wieviele? Jetzt bitte nicht lachen: 2 (in Worten: zwei). Das liege daran, dass die Männer ewig lang, nämlich 18 Monate, ausgebildet werden müssten, um auf einem Schiff mitzufahren, sagte der deutsche Admiral. Sein niederländischer Kollege verstand das Problem nicht ganz. Unsere Nachbarn nehmen einfach ihre tiptop trainierten Marinesoldaten - und schon geht’s los. Aber warum soll man es einfach machen, wenn’s auch kompliziert geht.
Der parlamentarische Staatssekretär aus dem Innenministerium bot den schwächsten Vortrag. Lustlos vom Blatt verlesene Banalitäten, kaum Infos. Schade, Chance verpasst.
Dann lieber einen coolen, alten Haudegen wie Thomas Kossendey, Staatssekretär im Verteidigungsministerium, der auch ohne Manuskript weiß, um was es geht.
War überhaupt jemand vom Wirtschafts- und Verkehrsministerium da?
Keine Ahnung, warum die Bundespolizei bei der Bekämpfung der Piraterie im indischen Ozean beteiligt sein will. Sie haben weder die passenden Schiffe noch die passende Ausbildung. Jetzt wollen sie deutsche Sicherheitsunternehmen für den Schutz deutscher Schiffe “zertifizieren”. Klingt nicht nach Kampf, sondern nach Bürokratie. Meine Meinung: Lasst die Marine das machen, die kennt sich aus auf See. Und die Strafverfolgung soll im Auftrag aller betroffenen Bundesländer Niedersachsen erledigen. Das LKA in Hannover scheint davon mehr Ahnung zu haben als alle anderen zusammen.
Der Mann von der deutschen Sicherheitswirtschaft will natürlich auch was vom Piraten-Kuchen ab haben. Aber den Markt haben sich längst die anderen geteilt. Mindestens 170 Security-Unternehmen tummeln sich bereits rund um den indischen Ozean und bieten ihre (bewaffneten) Dienste an (für 50.000 Dollar/Passage). Zu diesem Thema passt diese Meldung.
Vielleicht ist es sogar besser, wenn sich deutsche Sicherheitsleute da raus halten. Sie dürfen nämlich keine ernsthaften Waffen mit an Bord nehmen. Die Piraten haben aber Maschinengewehre, Panzergranaten und Raketenwerfer.
Folter, Vergewaltigung, Scheinhinrichtungen. Wenigstens der Mann vom LKA Niedersachsen und der niederländische Admiral haben klar und deutlich gesagt und gezeigt, wie Piraten ihre Geiseln quälen, demütigen, foltern, töten. Männer, Frauen, Kinder werden vergewaltigt, Hoden mit Kabelbinder abgeklemmt, Seeleute stundenlang an den Händen aufgehängt oder nackt in die Kühlkammern gesteckt. Bis zu 700 Menschen werden so zu jedem Zeitpunkt in diesem Jahr misshandelt und traumatisiert. Ein ganz großes menschliches Drama.
Der beste Vortrag war der von Flotillenadmiral Michiel Hijmans (Königliche Niederländische Marine) über “Fighting Piracy: From a reactiv to a proactive approach”. Da hat einer Klartext geredet, statt sich ängstlich hinter political correctness zu verstecken. Piraten sind Verbrecher und müssen mit aller Konsequenz verfolgt und bekämpft werden. Basta.

Das ist die NATO Alert Map von heute (zum Vergrößern anklicken)