Drei Piraten Geiseln freigelassen

Die drei letzten der 21 Besatzungsmitglieder der MV Orna (Foto) wurden jetzt nach über zwei Jahren Geiselhaft von Piraten aus Somalia freigelassen.

Das berichtet AP. Angeblich wurde kein Lösegeld bezahlt. Die Geiseln mussten während ihrer langen Gefangenschaft hungern, wurden gefoltert - und mindestens eine wurde von den Piraten hingerichtet. 

Mehr über das Drama auf der Orna hier und hier.

Piraten-Geiseln erhalten Entschädigung

Die 12 überlebenden mozambikanischen Geiseln des Fischtrawlers Vega 5 (Foto) erhalten eine Entschädigung von rund 5.000 USD pro Person.

Das Schiff gehörte der spanisch-mozambikanischen Firma Pescamar und wurde im Dezember 2010 von Piraten in der Strasse von Mozambik entführt. Die 24 Mann Besatzung (19 aus Mozambik, 3 Indonesier, 2 Spanier) wurden als Geiseln genommen. Danach setzten die Piraten die Vega 5 als Mutterschiff für weitere Überfälle im gesamten Indischen Ozean ein.

Zwischendurch wurden die beiden Spanier (darunter der Kapitän) für ein Lösegeld in unbekannter Höhe freigelassen.

Im März 2011 versenkte die indische Marine die Vega 5 und fischte danach 74 Männer aus dem Indischen Ozean. 61 waren Piraten (Foto unten), eine erstaunlich große Zahl, 13 stammten aus der ehemaligen Besatzung, darunter ein Indonesier und 12 Mozambikaner. Die restlichen 11 Besatzungsmitglieder gelten als vermisst.

Die Mozambikaner wurden nach ihrer Rückkehr unverzüglich von Pescamar entlassen mit der Begründung, ihr Schiff sei ja nun weg. Die Ex-Geiseln erstritten sich daraufhin eine Wiederanstellung und jetzt auch eine finanzielle Entschädigung für über drei Monate Psychoterror und Folter durch Piraten. Mehr…

Piraten foltern und töten Geiseln in Somalia

Folter und Mord gehören bei den Piraten aus Somalia zum Geschäft. Jetzt beschreibt die indische Ex-Geisel Ravinder Singh, wie er an Bord der MV Suez von den Seeräubern misshandelt wurden.

Singh war von August 2010 bis Juni 2011 Geisel. “Wir wurden behandelt wie Tiere”, sagt er. Es gab wenig zu essen, aber Schläge, wenn die Piraten betrunken waren. Einmal wurde ein Crew-Mitglied verbrannt. Singh im Gespräch mit der Agentur DNA:

“One day a pirate suddenly charged at us. He picked an Egyptian, poured oil over him and set him ablaze. We could do nothing. The pirates did it because negotiations weren’t going on very well. Then they started punching a Pakistani crew member’s face and broke all his teeth. From then on, beatings became a regular feature.”

Ein anderer Seemann erlebte eine Scheinhinrichtung:

“Along with the captain, I was offloaded from the ship and taken ashore. They blindfolded us and fired in the air and then said they were going to kill us. We heard shots being fired in the air. It was a mock execution meant to scare us so that we would exert pressure on the ship owners to pay up.”

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Piraterie kostet 12 Mrd. Dollar jährlich

Die Vereinten Nationen (UN) schätzen die Kosten der Piraterie für die Weltwirtschaft auf bis zu zwölf Mrd Dollar jährlich und fordern verstärkte Anstrengungen zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität auf See.

Efthimios E Mitropoulos, Generalsekretär der International Maritime Organisation (IMO), erklärte: “During 2010 alone, 4,185 seafarers were attacked by pirates using firearms – even rocket propelled grenades, 1,090 were taken hostage, and 516 were used as human shields”. Mindestens 488 Seeleute seien gefoltert worden. Mehr…

Piraterie und ihre Bekämpfung

Gestern fand auf Einladung des niedersächsischen Innenministers Uwe Schünemann (CDU) die Fachtagung Piraterie und ihre Bekämpfung in Berlin statt. Einige Dinge sind mir dabei aufgefallen:

Alle wissen, dass nur bewaffnete Sicherheitsteams an Bord Schutz vor Piraten garantieren und die ganze Welt fährt mit Söldnertrupps aus Israel, Kenia, Grossbritannien, Russland und den USA durch die piratenverseuchten Gebiete vor Somalia. Nur auf deutschen Schiffen ist es verboten.

Die deutsche Marine hat für ganz, ganz ernste Fälle sogenannte Vessel Protection Detachments (so heißen bewaffnete Sicherheitsteams beim Militär), die Schiffe schützen können. Wieviele? Jetzt bitte nicht lachen: 2 (in Worten: zwei). Das liege daran, dass die Männer ewig lang, nämlich 18 Monate, ausgebildet werden müssten, um auf einem Schiff mitzufahren, sagte der deutsche Admiral. Sein niederländischer Kollege verstand das Problem nicht ganz. Unsere Nachbarn nehmen einfach ihre tiptop trainierten Marinesoldaten - und schon geht’s los. Aber warum soll man es einfach machen, wenn’s auch kompliziert geht.

Der parlamentarische Staatssekretär aus dem Innenministerium bot den schwächsten Vortrag. Lustlos vom Blatt verlesene Banalitäten, kaum Infos. Schade, Chance verpasst.

Dann lieber einen coolen, alten Haudegen wie Thomas Kossendey, Staatssekretär im Verteidigungsministerium, der auch ohne Manuskript weiß, um was es geht.

War überhaupt jemand vom Wirtschafts- und Verkehrsministerium da?

Keine Ahnung, warum die Bundespolizei bei der Bekämpfung der Piraterie im indischen Ozean beteiligt sein will. Sie haben weder die passenden Schiffe noch die passende Ausbildung. Jetzt wollen sie deutsche Sicherheitsunternehmen für den Schutz deutscher Schiffe “zertifizieren”. Klingt nicht nach Kampf, sondern nach Bürokratie. Meine Meinung: Lasst die Marine das machen, die kennt sich aus auf See. Und die Strafverfolgung soll im Auftrag aller betroffenen Bundesländer Niedersachsen erledigen. Das LKA in Hannover scheint davon mehr Ahnung zu haben als alle anderen zusammen.

Der Mann von der deutschen Sicherheitswirtschaft will natürlich auch was vom Piraten-Kuchen ab haben. Aber den Markt haben sich längst die anderen geteilt. Mindestens 170 Security-Unternehmen tummeln sich bereits rund um den indischen Ozean und bieten ihre (bewaffneten) Dienste an (für 50.000 Dollar/Passage). Zu diesem Thema passt diese Meldung.

Vielleicht ist es sogar besser, wenn sich deutsche Sicherheitsleute da raus halten. Sie dürfen nämlich keine ernsthaften Waffen mit an Bord nehmen. Die Piraten haben aber Maschinengewehre, Panzergranaten und Raketenwerfer.

Folter, Vergewaltigung, Scheinhinrichtungen. Wenigstens der Mann vom LKA Niedersachsen und der niederländische Admiral haben klar und deutlich gesagt und gezeigt, wie  Piraten ihre Geiseln quälen, demütigen, foltern, töten. Männer, Frauen, Kinder werden vergewaltigt, Hoden mit Kabelbinder abgeklemmt, Seeleute stundenlang an den Händen aufgehängt oder nackt in die Kühlkammern gesteckt. Bis zu 700 Menschen werden so zu jedem Zeitpunkt in diesem Jahr misshandelt und traumatisiert. Ein ganz großes menschliches Drama.

 Der beste Vortrag war der von Flotillenadmiral Michiel Hijmans (Königliche Niederländische Marine) über “Fighting Piracy: From a reactiv to a proactive approach”. Da hat einer Klartext geredet, statt sich ängstlich hinter political correctness zu verstecken. Piraten sind Verbrecher und müssen mit aller Konsequenz verfolgt und bekämpft werden. Basta.

Das ist die NATO Alert Map von heute (zum Vergrößern anklicken)

Lösegeld-Dealer in den USA vor Gericht

Der Chef-Verhandler der somalischen Piraten bei der Freilassung des deutschen Frachters Marida Marguerite steht jetzt in den USA vor Gericht.

Mohammed Saaili Shibin  (Foto) wird angeklagt wegen mehrfacher Geiselnahme, Kidnapping, Piraterie in mehreren Fällen, Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung und illegalem Waffenbesitz. Ihn erwartet eine mehrfach lebenslängliche Freiheitsstrafe.

Der 50jährige, der auch als Kalif Ahmed Shibin bekannt ist, war an den Lösegeldverhandlungen für die Crew der US Yacht Quest beteiligt. Die vier Amerikaner wurden damals die von den Piraten getötet. Danach töteten Navy Seals einige der Piraten und nahmen den Rest fest.

Auch bei den Verhandlungen um das deutsche Schiff hatte Shibin eine Schlüsselrolle. Er erhielt 30.000 bis 50.000 Dollar aus der Lösegeldsumme von angeblich 5,5 Mio. Dollar. Die Marida Marguerite war im Mai 2010 gekidnappt worden und kam erst im Dezember 2010 frei. Die Besatzung wurde während der Geiselhaft gefoltert.

Mehr Informationen:

Die Presseerklärung der US-Staatsanwaltschaft zur Anklage von Shibin

Die Tragödie auf der Quest

Die Entführung und Freilassung der Marida Marguerite

Keine Ahnung, kein Herz

Nur über’s Geld, nicht über Folter, Qual und Tod der Geiseln macht sich die DIW “Expertin” Anja Shortland im Zusammenhang mit den Piraten in Somalia Gedanken.

Die Frau, die als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) arbeitet, rechnet in einem Handelsblatt-Interview aus, dass die Piraten die Weltwirtschaft “nur” 7-12 Milliarden US Dollar kosten, das gesamte Handelsvolumen auf dem Seeweg aber 7 Billionen pro Jahr beträgt. Dass aber Seeleute oft monate- und jahrelang von den Piraten gefangen, gefoltert und am Schluss oft auch ermordet werden, erwähnt die “Expertin” mit keinem Wort.

Keine Silbe auch von ihr über die dänische Familie mit drei Kindern (Foto), die von den Gangstern seit Monaten in Geiselhaft gehalten und terrorisiert werden. Der Piratenhauptmann will die Familie nur freigeben, wenn er die 13jährige Tochter zur Frau bekommt.

Natürlich hält Frau Shortland auch nichts von bewaffnetem Begleitschutz auf Handelsschiffen in High-Risk-Gebieten, dem bisher einzig wirksamen Mittel gegen Piraterie. Und ich könnte wetten, dass sie noch nie in Somalia oder auf einem Schiff vor seiner Küste war.

Keine Ahnung, warum das Handelsblatt sie interviewt hat. Für mich ist das verschwendeter Platz.

Somali zwei Monate auf US Kriegsschiff verhört

Am 19. April wurde der Somali Ahmed Abdulkadir Warsame auf einem Fischerboot vor Somalia von US Marines festgenommen - aber erst an diesem Montag einem Gericht in New York überstellt.

Dort soll er wegen Unterstützung terroristischer Vereinigungen angeklagt werden. In dem seltsamen Fall geht es also anscheinend nicht um Piraterie, obwohl der Mann bei seiner Verhaftung offenbar mit einem Skiff zwischen Somalia und dem Jemen unterwegs war.

Ungeklärt ist bisher, auf der Basis welcher Rechtsgrundlage Warsame zwei Monate lang auf dem Kriegsschiff festgehalten wurde und ob bei seiner Befragung Gesetze verletzt  oder sogar Foltermethoden angewandt wurden.

In der Anklage heißt es, Warsame habe Geld- und Waffengeschäfte für die radikalen Al-Shabab-Milizen in Somalia sowie für Al Kaida im Jemen abgewickelt. Mehr...

Indische Seeleute von Piraten gefoltert

Die indischen Seeleute von der MV Suez berichten nach ihrer Freilassung von den Zuständen an Bord des Schiffes während der Geiselnahme.

Zehn Monate lang war das ägyptische Schiff in der Hand somalischer Piraten. In dieser Zeit erlitt die Crew Hunger, Prügel und Folter. Oft gab es tagelang nur Wasser und einmal in der Woche Nudeln oder Reis. Wenn die Piraten betrunken waren, folterten und misshandelten sie die Seemänner.

Die sechs Inder von der MV Suez trafen heute nach der Befreiung durch pakistanische Marineeinheiten in Indien ein. Mehr…

Zunehmende Gewalt: Piraten foltern ihre Geiseln

Nach dem misslungenen Befreiungsversuch und der Tragödie auf der amerikanischen Yacht Quest vor Somalia, sprechen Beobachter von einer neuen Qualität der Bedrohung durch Piraterie.

  • Die europäische Anti-Piraten-Mission EuNavFor, die mit mehreren Kriegsschiffen vor Somalia operiert, konstatiert eine Zunahme der Gewalt.
  • "Die Lebensbedrohung für die Seeleute hat zugenommen”, sagte Hauptgeschäftsführer Ralf Nagel vom Verband deutscher Reeder (VDR).
  • Geiseln zu töten sei “nun Teil unserer Regeln”, zitierte die Nachrichtenagentur AP einen Piraten, der sich Muse Abdi nennt. “Künftig wird jeder, der versucht, Geiseln aus unseren Händen zu befreien, nur noch Leichen einsammeln”, so Abdi. Es werde nie wieder vorkommen, dass Geiseln gerettet und Piraten ins Gefängnis gesteckt würden.
  • "Die Piraten agieren immer brutaler, sie setzen verstärkt auf Gewalt", sagte der Sprecher der EuNavFor, Paddy O’Kennedy. Geiseln würden insgesamt schlechter behandelt und zunehmend systematisch gefoltert.

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